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Mietrendite berechnen: Brutto, netto und Eigenkapitalrendite — die drei Zahlen, die zählen

Wenn du eine Immobilie als Kapitalanlage prüfst, ist die Mietrendite die erste Zahl, auf die du schauen solltest. Sie bringt Mieteinnahmen, Kaufpreis und Kosten in ein klares Verhältnis — und trennt eine ernsthafte Kalkulation von einem Bauchgefühl. Der Haken: Es gibt nicht die eine Mietrendite. Es gibt drei, sie beantworten unterschiedliche Fragen, und wer nur die Bruttomietrendite ansieht, verpasst die entscheidenden Effekte.

In diesem Ratgeber zeigen wir dir ruhig und ohne Hype, wie du die Bruttomietrendite, die Nettomietrendite und die Eigenkapitalrendite berechnest, wie der oft genutzte Kaufpreisfaktor hineinpasst und warum du am Ende zusätzlich die Nach-Steuer-Sicht brauchst, um zwei Objekte fair zu vergleichen. Alle Beispiele sind bewusst runde Illustrationen. Stand 2026, ohne Gewähr. Deine individuelle Kalkulation gehört in die Hände deines Steuerberaters und Finanzierers.

Stand: Juni 202612 Min. LesezeitSachgrund Immobilien

Warum drei Rendite-Kennzahlen — und nicht nur eine

Die drei Kennzahlen beantworten drei unterschiedliche Fragen an dieselbe Immobilie:

Für eine seriöse Investment-Entscheidung brauchst du alle drei. Eine Immobilie mit hoher Bruttomietrendite und schlechten Nebenkosten kann in der Nettobetrachtung schlechter dastehen als ein Objekt mit auf den ersten Blick niedriger Rendite. Und eine moderate Nettomietrendite kann durch klugen Kapitaleinsatz eine sehr ordentliche Eigenkapitalrendite ergeben — oder eben negativ kippen, wenn die Zinskosten die Mieteinnahmen aufzehren.

Bruttomietrendite: die schnelle Überschlagsrechnung

Die Bruttomietrendite ist der einfachste Zugang. Sie setzt die Jahreskaltmiete ins Verhältnis zum reinen Kaufpreis:

Formel: Bruttomietrendite in Prozent = (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100

Rechenbeispiel: Eine 70-m²-Wohnung kostet 350.000 Euro. Die Kaltmiete beträgt 1.050 Euro im Monat, also 12.600 Euro im Jahr.

Diese 3,6 % sagen: Auf den nackten Kaufpreis gerechnet bringt die Kaltmiete rechnerisch 3,6 % pro Jahr. Was dabei fehlt: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und eventuell Maklerprovision — die Kaufnebenkosten summieren sich in Deutschland je nach Bundesland und Konstellation typischerweise auf rund 8 bis 15 % des Kaufpreises (Stand 2026, ohne Gewähr). Und auf der laufenden Seite fehlen die Hausgeld-Anteile, die du als Eigentümer trägst, die nicht auf den Mieter umgelegt werden dürfen — vor allem Verwaltung und Instandhaltungsrücklage.

Die Bruttomietrendite ist deshalb sinnvoll für einen ersten Filter: Passt die Größenordnung überhaupt? Für die Kaufentscheidung reicht sie nicht.

Nettomietrendite: die ehrliche operative Zahl

Die Nettomietrendite — teils auch Objektrendite genannt — bezieht die Kaufnebenkosten und die nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten ein. Sie zeigt, was das Objekt vor Finanzierung und Steuer wirklich bringt:

Formel: Nettomietrendite in Prozent = ((Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten)) × 100

Zu den nicht umlagefähigen Kosten zählen typischerweise:

Rechenbeispiel — Fortsetzung: 350.000 Euro Kaufpreis + rund 10 % Kaufnebenkosten (35.000 Euro) = 385.000 Euro Gesamtinvestition. Die Jahreskaltmiete bleibt bei 12.600 Euro. Wir setzen an nicht umlagefähigen Kosten monatlich rund 130 Euro an (Verwaltung, Rücklage, Mietausfallwagnis) — das sind rund 1.560 Euro im Jahr.

Aus 3,6 % Bruttomietrendite werden also rund 2,9 % Nettomietrendite. Die Differenz von etwa 0,7 Prozentpunkten ist typisch: Als Faustregel liegt die Nettomietrendite in der Praxis ein bis zwei Prozentpunkte unter der Bruttomietrendite. Für den Vergleich zweier Objekte ist die Nettomietrendite die belastbarere Zahl. Sie zeigt die operative Ertragskraft, unabhängig davon, wie du finanzierst und wie hoch dein persönlicher Steuersatz ist.

Eigenkapitalrendite: der Hebel zeigt sich hier

Die Eigenkapitalrendite beantwortet die Frage, die für dich als Investor am wichtigsten ist: Wie viel Prozent verdient das Geld, das ich selbst reingesteckt habe? Genau hier kommt der Leverage-Effekt ins Spiel. Solange der Fremdkapitalzins unter der Nettomietrendite des Objekts liegt, hebelt der Kredit deine Eigenkapitalverzinsung nach oben. Läuft es umgekehrt, hebelt er sie nach unten. Beides muss man ausrechnen können.

Formel: Eigenkapitalrendite in Prozent = (Jahresreinertrag nach Zins ÷ eingesetztes Eigenkapital) × 100
Jahresreinertrag nach Zins = Netto-Jahreskaltmiete − Fremdkapitalzinsen (ohne Tilgung)

Rechenbeispiel — Fortsetzung mit 20 % Eigenkapital:

Bei diesen Werten ist die Eigenkapitalrendite negativ: Der Zins liegt über der Nettomietrendite des Objekts, die Miete deckt die Zinskosten nicht vollständig. Der monatliche Fehlbetrag ist keine Katastrophe — er ist ein Zuzahlungsbedarf, den viele Kapitalanleger bewusst in Kauf nehmen, weil sie auf Tilgung (also Vermögensaufbau), langfristige Mietsteigerung, Wertentwicklung und Steuerwirkung setzen. Aber du musst diesen Cashflow-Bedarf kennen, bevor du kaufst.

Gegenrechnung mit 40 % Eigenkapital:

Positiv, aber niedrig. Hier siehst du, wie sensibel die Eigenkapitalrendite auf Zinsniveau, Eigenkapitalquote und Nettomietrendite reagiert. Kleine Bewegungen — 0,5 Prozentpunkte weniger Zins, 10 % mehr Kaltmiete, ein besseres Objekt — kippen das Vorzeichen komplett. Deshalb ist eine sorgfältige Kalkulation vor dem Kauf mehr wert als jede spätere Optimierung.

Kaufpreisfaktor: die zweite Sprache derselben Zahl

Neben der Bruttomietrendite triffst du oft den Kaufpreisfaktor — auch Mietpreismultiplikator oder Vervielfältiger genannt. Er sagt, wie viele Jahre Jahreskaltmieten in den Kaufpreis passen:

Formel: Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete
Zusammenhang: Bruttomietrendite × Kaufpreisfaktor ≈ 100

Beispiel: 350.000 Euro Kaufpreis, 12.600 Euro Jahreskaltmiete → Kaufpreisfaktor rund 27,8. Das entspricht rund 3,6 % Bruttomietrendite. Ein Faktor von 25 entspricht etwa 4 % Brutto, ein Faktor von 33 etwa 3 %.

Der Faktor ist beliebt, weil er sich schnell im Kopf einordnen lässt. In deutschen Metropolen sind Faktoren zwischen 27 und 35 für Bestandswohnungen keine Seltenheit (Stand 2026, ohne Gewähr) — in B- und C-Lagen liegen Bestandsobjekte häufiger im Bereich 18 bis 25. Aber Vorsicht: Ein niedriger Faktor ist nicht automatisch das bessere Investment. In Lagen mit stagnierender oder rückläufiger Nachfrage kann ein Objekt mit Faktor 20 langfristig schwächer laufen als ein Objekt mit Faktor 30 in einer wachsenden Metropolregion. Der Faktor ist eine Momentaufnahme, kein Zukunftsversprechen.

Was am Monatsende bleibt: der Cashflow

Rendite und Cashflow sind nicht dasselbe. Die Rendite misst prozentuale Verzinsung. Der Cashflow beantwortet die banale, aber wichtige Frage: Fließt an einem 1. des Monats Geld zu — oder muss ich zuzahlen?

Für die Cashflow-Betrachtung nimmst du die Nettokaltmiete und ziehst alle tatsächlich anfallenden Geldflüsse ab — inklusive Tilgung, die in der Renditerechnung ja bewusst außen vor bleibt, weil sie kein Aufwand, sondern Vermögensbildung ist:

Vereinfachte Cashflow-Rechnung:
Netto-Kaltmiete − nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten − Fremdkapitalzins − Tilgung − Steuer auf Vermietungsergebnis (kann positiv oder negativ sein)

Ein leicht negativer Cashflow ist bei einer Kapitalanlage in einer starken Lage in Deutschland kein Alarmzeichen — er ist eher die Regel als die Ausnahme, solange Tilgung mit drinsteckt. Entscheidend ist, dass du die Zuzahlung bewusst kalkulierst und sie zu deiner Liquidität passt. Ein Objekt, das dich monatlich in die Enge treibt, ist unabhängig von seiner Papierrendite das falsche Objekt.

Nach-Steuer-Sicht: der Sachgrund-Blick

Die Brutto- und Nettomietrendite sind Vor-Steuer-Kennzahlen. Sie ignorieren, dass eine vermietete Immobilie in Deutschland steuerlich anders behandelt wird als eine Anleihe oder ein ETF. Genau hier liegt für viele Kapitalanleger der eigentliche Unterschied — und der Grund, warum ein reines „Rendite gegen Rendite“-Vergleich mit anderen Anlageklassen zu kurz greift.

Die wichtigsten steuerlichen Hebel im Vermietungsfall sind:

Wirken diese Positionen zusammen, ergibt sich für viele Objekte ein rechnerischer Vermietungsverlust in den ersten Jahren, der die übrigen Einkünfte mindert und damit die Steuerlast reduziert. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von deinem persönlichen Grenzsteuersatz und der konkreten Konstellation ab und lässt sich pauschal nicht ansagen — verbindlich beurteilt das dein Steuerberater. Wir versprechen nichts, wir rechnen. Und wir sagen ehrlich dazu: Die Nach-Steuer-Sicht ist häufig der Unterschied zwischen einem Objekt, das auf dem Papier mittelmäßig aussieht, und einem Objekt, das nach Steuer für dich funktioniert.

Was ist eine „gute“ Mietrendite? — ehrliche Einordnung

Es gibt keine universelle Zielrendite, die für jede Lage gilt. Grob eingeordnet und ohne Zusage:

Zur Orientierung an unseren A-Lagen — bewusst gerundete Richtwerte, keine Angebote und keine Prognose:

Die Metropolen zahlen ihren Sicherheits- und Nachfragevorteil mit einer niedrigeren laufenden Rendite. Leipzig zeigt umgekehrt, dass eine höhere Anfangsrendite in einer wachsenden B-Lage möglich ist. Welche Kombination zu dir passt, entscheidet nicht die Zahl allein — sondern deine Anlagedauer, dein Cashflow-Rahmen, deine Steuerkonstellation und deine Risikobereitschaft.

Typische Rechenfehler, die dich Geld kosten

Was wir in Kalkulationen von Interessenten immer wieder sehen — und in einem sauberen Investment-Case vermieden gehört:

Wie wir bei Sachgrund Renditen rechnen

Wenn wir mit dir ein Objekt durchrechnen, tun wir das in drei Schichten: Objekt-Ebene (Brutto- und Nettomietrendite, Kaufpreisfaktor), Finanzierungs-Ebene (Eigenkapitalrendite, Cashflow, Zinsbelastung, Tilgungsverlauf) und Nach-Steuer-Ebene (Wirkung von AfA, ggf. § 7b oder Denkmal, dein persönlicher Grenzsteuersatz — in Abstimmung mit deinem Steuerberater). Erst dann wissen wir, ob das Objekt für deine konkrete Situation trägt.

Wir sagen dir dabei sehr klar auch das, was du nicht hören willst: welche Zuzahlung nötig ist, welche Annahmen fragil sind, was passiert, wenn Zinsen 1 Prozentpunkt höher oder Miete 10 % niedriger laufen. Eine ruhige Kapitalanlage kalkuliert mit Reserven. Ein guter Vertrieb kalkuliert sie mit dir zusammen — und redet nicht schön.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?+
Die Bruttomietrendite setzt die Jahreskaltmiete ins Verhältnis zum reinen Kaufpreis. Die Nettomietrendite berücksichtigt zusätzlich die Kaufnebenkosten und die nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten — sie ist die ehrlichere operative Zahl vor Finanzierung und Steuer. Als Faustregel liegt die Nettomietrendite ein bis zwei Prozentpunkte unter der Bruttomietrendite.
Wie berechne ich die Mietrendite bei einer Eigentumswohnung?+
Rechne mit der Jahreskaltmiete (ohne Betriebskostenvorauszahlungen), dem Kaufpreis inklusive Kaufnebenkosten und einem realistischen Ansatz für nicht umlagefähige Kosten (Verwaltung, Instandhaltungsrücklage, Mietausfallwagnis). Für die Eigenkapitalrendite kommen anschließend die Fremdkapitalzinsen und dein tatsächlich eingesetztes Eigenkapital hinzu.
Was ist eine gute Mietrendite in Deutschland?+
Es gibt keinen universellen Zielwert. In A-Lagen deutscher Metropolen liegen Bruttomietrenditen bei Bestandswohnungen häufig zwischen 2,8 und 3,8 Prozent, in B-Städten bei 3,8 bis 5 Prozent (Stand 2026, ohne Gewähr). Höhere Renditen in C- und D-Lagen gehen typischerweise mit höheren Vermietungsrisiken einher. Was zu dir passt, hängt von Anlagedauer, Cashflow-Rahmen und Steuersituation ab.
Zählt die Tilgung zur Rendite oder zum Cashflow?+
Die Tilgung zählt zum Cashflow, nicht zur Rendite. Tilgung ist Vermögensbildung — du zahlst dein Darlehen zurück und baust Eigentum auf. In der Renditerechnung wird nur der Fremdkapitalzins berücksichtigt, weil nur er tatsächlicher Aufwand ist. In der Cashflow-Rechnung zählt der volle Kapitaldienst aus Zins und Tilgung.
Warum kann die Eigenkapitalrendite negativ sein?+
Wenn der Fremdkapitalzins über der Nettomietrendite des Objekts liegt, deckt die Miete die Zinskosten nicht vollständig. Der Leverage-Effekt wirkt dann negativ und drückt die Eigenkapitalverzinsung unter Null. Ein leicht negativer Cashflow ist bei Kapitalanlagen in starken deutschen Lagen nicht ungewöhnlich; entscheidend ist, dass die Zuzahlung bewusst kalkuliert ist und zur Liquidität passt.
Wie hängt der Kaufpreisfaktor mit der Mietrendite zusammen?+
Der Kaufpreisfaktor gibt an, wie viele Jahreskaltmieten in den Kaufpreis passen. Er ist der Kehrwert der Bruttomietrendite: Bruttomietrendite × Kaufpreisfaktor ≈ 100. Ein Faktor von 25 entspricht etwa 4 Prozent Bruttomietrendite, ein Faktor von 33 etwa 3 Prozent. Beide Zahlen sind Momentaufnahmen und ersetzen keine Zukunftsprognose.
Muss ich die Steuer in die Renditeberechnung einbeziehen?+
Für den Objektvergleich reicht die Nettomietrendite als Vor-Steuer-Zahl. Für deine eigene Entscheidung ist die Nach-Steuer-Sicht meist die wichtigere: AfA, gegebenenfalls § 7b oder Denkmal-AfA sowie abzugsfähige Zinsen verändern das Ergebnis spürbar. Die konkrete steuerliche Wirkung hängt von deiner persönlichen Situation ab und gehört in die Hand deines Steuerberaters.

Was bedeutet das für dich konkret?

Wir rechnen dir dein persönliches, unverbindliches Szenario durch — ehrlich und kostenlos.

Hinweis: Dieser Beitrag erklärt allgemeine steuerliche Mechanismen und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Finanzierungsberatung. Steuerliche Wirkungen hängen von deiner persönlichen Situation ab und sind durch einen Steuerberater zu prüfen. Angaben nach bestem Wissen, Stand 2026, ohne Gewähr. Immobilien-Investments unterliegen Markt- und Finanzierungsrisiken. Sachgrund Immobilien GmbH ist als Immobilienvermittler nach § 34c GewO tätig und erbringt keine Steuerberatung.