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Kaufnebenkosten bei der Immobilie: was wirklich anfällt

Stand: Juni 202610 Min. LesezeitSachgrund Immobilien

Die Kaufnebenkosten einer Immobilie sind der Posten, der die meisten Kalkulationen kippt. Nicht weil er unbekannt wäre, sondern weil er in der Regel aus Eigenkapital kommen muss und weil er je nach Bundesland und Provisionsmodell zwischen rund 5,5 und knapp 12 Prozent des Kaufpreises liegt. Allein der Unterschied bei der Grunderwerbsteuer macht bei einer Wohnung für 300.000 Euro rund 9.000 Euro aus, je nachdem, in welchem Bundesland du kaufst.

Dieser Artikel zeigt dir, welche Positionen tatsächlich anfallen, welche Prozentspanne pro Bundesland realistisch ist, was eine Bank davon mitfinanziert und wie die einzelnen Kosten steuerlich eingeordnet werden. Genau dort liegt der Punkt, den viele Anleger übersehen: Ein Teil der Nebenkosten wirkt steuerlich sofort, ein Teil wandert in die Abschreibung, ein Teil bleibt bis zum Verkauf stumm.

Alle genannten Sätze und Beträge sind unverbindliche Beispiele nach dem Stand 2026 und ersetzen keine steuerliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall.

Welche Positionen zu den Kaufnebenkosten zählen

Kaufnebenkosten sind alle Kosten, die neben dem reinen Kaufpreis anfallen, damit die Immobilie rechtlich und wirtschaftlich auf dich übergeht. In der Praxis sind es vier große und einige kleinere Blöcke.

Dazu kommen kleinere Posten, die im Einzelfall relevant werden: Kosten für ein Restnutzungsdauer- oder Wertgutachten, eine Bauzustandsbewertung, die Beschaffung von Unterlagen aus der Verwaltung sowie eventuelle Bereitstellungszinsen, wenn sich die Auszahlung des Darlehens verzögert. Nicht zu den Kaufnebenkosten gehören laufende Kosten wie Hausgeld, Grundsteuer oder Verwaltungsvergütung. Die beginnen erst ab Besitzübergang und werden steuerlich anders behandelt.

Grunderwerbsteuer: die Spanne je Bundesland

Die Grunderwerbsteuer ist der größte Einzelposten und der Posten, der am stärksten von der Lage innerhalb Deutschlands abhängt. Sie entsteht mit dem notariellen Kaufvertrag, wird vom Finanzamt per Bescheid festgesetzt und ist Voraussetzung für die Unbedenklichkeitsbescheinigung, ohne die es keine Eigentumsumschreibung gibt.

SteuersatzBundesland
3,5 %Bayern
5,0 %Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen
5,5 %Hamburg, Sachsen
6,0 %Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern
6,5 %Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein

Stand 2026, Angaben ohne Gewähr. Die Länder können ihre Sätze jederzeit ändern, in den letzten Jahren gab es Anpassungen in beide Richtungen. Prüfe den aktuellen Satz deshalb vor jeder Kalkulation. Ein Detail lohnt den Blick: Mitverkauftes bewegliches Inventar, etwa eine Einbauküche, kann im Kaufvertrag gesondert und mit realistischem Zeitwert ausgewiesen werden und mindert dann die Bemessungsgrundlage. Das Finanzamt prüft solche Ansätze, überzogene oder nicht belegbare Werte werden gestrichen. Ob und in welcher Höhe ein Ansatz in deinem Fall trägt, gehört vor der Beurkundung zu deinem Steuerberater. Die übernommene Erhaltungsrücklage einer Eigentümergemeinschaft mindert die Grunderwerbsteuer nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs dagegen nicht.

Notar und Grundbuch: was der Gebührenrahmen hergibt

Notar- und Grundbuchkosten wirken klein, summieren sich aber auf etwa 1,5 bis 2,0 Prozent. Sie folgen dem Gerichts- und Notarkostengesetz und richten sich nach dem Geschäftswert, also im Kern nach dem Kaufpreis. Einen günstigeren Notar gibt es deshalb nicht, die Auswahl entscheidet über Qualität und Tempo.

Typisch enthalten sind die Beurkundung des Kaufvertrags, die Eintragung der Auflassungsvormerkung, die Löschung alter Belastungen des Verkäufers, die Betreuung der Kaufpreisfälligkeit sowie die Eigentumsumschreibung im Grundbuch. Separat kommt die Grundschuldbestellung für deine Bank hinzu, meist etwa 0,2 bis 0,3 Prozent der eingetragenen Grundschuld.

Diese Trennung ist steuerlich wichtig, deshalb hier schon der Hinweis: Alles, was der Anschaffung dient, gehört zu den Anschaffungsnebenkosten. Alles, was der Finanzierung dient, also insbesondere die Grundschuldbestellung, zählt zu den Geldbeschaffungskosten und wird steuerlich anders behandelt. Achte darauf, dass die Notarrechnung diese Positionen getrennt ausweist. Das erspart später Diskussionen mit dem Finanzamt.

Maklerprovision: Teilung, Höhe und Ausnahmen

Seit Ende 2020 gilt für Kaufverträge über Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen ein Teilungsgebot, wenn der Käufer Verbraucher ist. Der Käufer trägt dann höchstens die Hälfte der Provision, und er muss erst zahlen, wenn der Verkäufer seinen Anteil nachweislich beglichen hat. Geregelt ist das in den §§ 656a bis 656d BGB.

Für Kapitalanleger heißt das in der Praxis: Wer als Privatperson eine Wohnung zur Vermietung kauft, wird regelmäßig als Verbraucher eingeordnet, solange die Vermögensverwaltung keinen gewerblichen Umfang erreicht. Das ist eine Frage des Einzelfalls und gehört im Zweifel zum Notar oder in eine Rechtsberatung. Kaufst du dagegen über eine GmbH oder erwirbst du ein Mehrfamilienhaus, greifen die Regeln der §§ 656a bis 656d BGB nicht. Übliche Käuferanteile liegen zwischen 1,19 und 3,57 Prozent inklusive Umsatzsteuer, regional sehr unterschiedlich.

Bei vielen Kapitalanlage-Objekten trägt der Verkäufer die Vermittlungskosten vollständig. Dann fällt für dich keine separate Käuferprovision an, was die Nebenkostenquote spürbar senkt. Lass dir das vor dem Notartermin schriftlich bestätigen und prüfe, ob im Kaufvertrag eine Provisionsklausel steht. Mündliche Zusagen helfen dir später nicht.

Beispielrechnung: 300.000 Euro Eigentumswohnung in Hessen

Die folgende Rechnung ist ein unverbindliches Beispiel zur Veranschaulichung und keine Zusage für ein konkretes Objekt. Angenommen wird eine vermietete Eigentumswohnung für 300.000 Euro in Hessen, mit einer geteilten Maklerprovision von 3,57 Prozent für den Käufer.

PositionSatzBetrag
Grunderwerbsteuer6,0 %18.000 EUR
Notar (Kaufvertrag und Vollzug)1,3 %3.900 EUR
Grundbuchamt0,5 %1.500 EUR
Maklerprovision (Käuferanteil)3,57 %10.710 EUR
Grundschuldbestellung (270.000 EUR)0,25 %675 EUR
Summe Nebenkosten11,6 %34.785 EUR
Gesamtinvestition334.785 EUR

Ohne Käuferprovision läge dieselbe Rechnung bei rund 24.075 Euro oder 8,0 Prozent. In Bayern mit 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer und ohne Käuferprovision wären es etwa 16.575 Euro oder 5,5 Prozent. Das ist die Bandbreite, mit der du in der Planung rechnen solltest. Die tatsächlichen Beträge hängen vom konkreten Objekt, vom Notar und vom Finanzierungsmodell ab.

Was die Bank finanziert und was nicht

Banken bewerten nicht den Kaufpreis, sondern den Beleihungswert der Immobilie. Kaufnebenkosten erhöhen diesen Wert nicht, weil sie im Verwertungsfall keinen Gegenwert darstellen. Deshalb gilt als Faustregel: Der Kaufpreis ist finanzierbar, die Nebenkosten sind es meist nicht.

Ein realistischer Blick hilft: Je höher der Nebenkostenanteil, desto länger dauert es rechnerisch, bis der Marktwert die Gesamtinvestition wieder eingeholt hat. Bei rund 11 Prozent Nebenkosten können das je nach Marktentwicklung mehrere Jahre sein, und eine bestimmte Wertentwicklung lässt sich nicht vorhersagen. Wer plant, innerhalb kurzer Zeit wieder zu verkaufen, sollte das sehr genau durchrechnen. Ob eine Vollfinanzierung für dich sinnvoll ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab und gehört in ein Gespräch mit deiner Bank oder einem Finanzierungsvermittler.

Steuerliche Behandlung: drei Töpfe unterscheiden

Bei einer vermieteten Immobilie erzielst du Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung nach § 21 EStG. Die Kaufnebenkosten landen dabei in drei unterschiedlichen Töpfen. Die folgende Einordnung ist eine allgemeine Übersicht und keine steuerliche Beratung im Einzelfall.

Topf 1: Anschaffungsnebenkosten. Grunderwerbsteuer, Notarkosten für den Kaufvertrag, Grundbuchkosten für die Eigentumsumschreibung und die Maklerprovision gehören nach § 255 HGB zu den Anschaffungskosten. Sie werden im Verhältnis der Kaufpreisaufteilung auf Grund und Boden sowie Gebäude verteilt. Nur der Gebäudeanteil erhöht die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung nach § 7 Absatz 4 EStG, je nach Fertigstellungsjahr 2 Prozent, bei Gebäuden aus der Zeit vor 1925 2,5 Prozent und bei Fertigstellung ab 2023 3 Prozent. Unter engen zeitlichen und sachlichen Voraussetzungen kommen die degressive Abschreibung nach § 7 Absatz 5a EStG oder die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau nach § 7b EStG in Betracht.

Topf 2: Geldbeschaffungskosten. Die Kosten der Grundschuldbestellung, Bereitstellungszinsen und vergleichbare Finanzierungskosten sind keine Anschaffungskosten. Soweit das Darlehen der vermieteten Immobilie dient, sind sie grundsätzlich im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar. Im Beispiel oben wären das 675 Euro sofort statt über Jahrzehnte verteilt.

Topf 3: der Bodenanteil. Der auf Grund und Boden entfallende Teil der Anschaffungsnebenkosten ist nicht abschreibbar. Er wirkt sich steuerlich erst bei einem Verkauf innerhalb der zehnjährigen Frist nach § 23 EStG aus, weil er dort den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn mindert.

Im Beispiel: Bei einem angenommenen Gebäudeanteil von 70 Prozent wandern rund 23.900 Euro Nebenkosten in die Abschreibungsbasis. Bei 2 Prozent Abschreibung ergibt das etwa 478 Euro zusätzliches Abschreibungsvolumen pro Jahr. Wie stark sich das auf deine Steuerlast auswirkt, hängt von deinem persönlichen Steuersatz ab und lässt sich seriös nur individuell durch deinen Steuerberater beziffern.

Praxisliste: was hilft und was du vermeiden solltest

Das solltest du tun:

Das solltest du vermeiden:

Zum Schluss der wichtige Hinweis: Sachgrund Immobilien ist Immobilienvermittler nach § 34c GewO, weder Steuerberater noch Anlageberater. Wir geben keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung und dürfen das auch nicht. Alle Zahlen in diesem Artikel sind unverbindliche Beispiele nach dem Stand 2026, ohne Gewähr und ohne Zusage eines bestimmten Ergebnisses. Ob und in welcher Höhe sich Kaufnebenkosten in deinem Fall steuerlich auswirken, hängt von deiner persönlichen Situation ab und gehört vor die Kaufentscheidung auf den Tisch deines Steuerberaters. Was wir liefern können, ist die belastbare Zahlenbasis dafür: Kaufpreis, Nebenkosten, Aufteilung und Objektunterlagen in einer Form, mit der dein Berater direkt arbeiten kann.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten bei einer Immobilie insgesamt?+
Je nach Bundesland und Provisionsmodell liegen die Kaufnebenkosten zwischen rund 5,5 und knapp 12 Prozent des Kaufpreises. Den größten Anteil macht die Grunderwerbsteuer mit derzeit 3,5 bis 6,5 Prozent aus, dazu kommen etwa 1,5 bis 2,0 Prozent für Notar und Grundbuch sowie eine mögliche Maklerprovision. Rechne bei einer Kapitalanlage grundsätzlich mit der Gesamtinvestition aus Kaufpreis plus Nebenkosten.
Kann ich die Kaufnebenkosten mitfinanzieren?+
Grundsätzlich ja, aber nicht bei jeder Bank und nicht zu denselben Konditionen. Nebenkosten erhöhen den Beleihungswert der Immobilie nicht, deshalb verlangen Banken für eine sogenannte 110-Prozent-Finanzierung in der Regel eine sehr gute Bonität, ein sicheres Einkommen und einen Zinsaufschlag. Häufig kommen die Nebenkosten bei Kapitalanlegern aus Eigenkapital, während der Kaufpreis finanziert wird. Was in deinem Fall möglich ist, klärst du mit deiner Bank oder einem Finanzierungsvermittler.
Sind Kaufnebenkosten steuerlich absetzbar?+
Bei einer vermieteten Immobilie wirken sie sich in der Regel aus, aber nicht sofort in voller Höhe. Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Maklerprovision zählen zu den Anschaffungsnebenkosten und fließen anteilig über die Abschreibung ein, allerdings nur mit dem Gebäudeanteil. Finanzierungskosten wie die Grundschuldbestellung sind dagegen grundsätzlich sofort als Werbungskosten abziehbar. Die konkrete Behandlung im Einzelfall klärst du mit deinem Steuerberater.
Welches Bundesland hat die niedrigste Grunderwerbsteuer?+
Bayern liegt mit 3,5 Prozent aktuell am niedrigsten. Am oberen Ende stehen derzeit Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Schleswig-Holstein mit jeweils 6,5 Prozent. Die Länder können ihre Sätze jederzeit ändern, prüfe den aktuellen Wert deshalb vor jeder Kalkulation.
Warum wandern nicht alle Nebenkosten in die Abschreibung?+
Weil Grund und Boden sich steuerlich nicht abnutzt und deshalb nicht abgeschrieben wird. Die Anschaffungsnebenkosten werden im Verhältnis der Kaufpreisaufteilung auf Boden und Gebäude verteilt, und nur der Gebäudeanteil erhöht die Abschreibungsbasis. Eine sauber begründete Kaufpreisaufteilung im Vertrag ist deshalb ein wichtiger Hebel, den dein Steuerberater vor der Beurkundung prüfen sollte.
Fällt beim Kauf einer Kapitalanlage immer eine Maklerprovision an?+
Nein. Bei vielen Kapitalanlage-Objekten trägt der Verkäufer die Vermittlungskosten vollständig, dann zahlst du als Käufer keine separate Provision. Bei Verkäufen über einen Makler gilt für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser das Teilungsgebot der §§ 656a bis 656d BGB, sofern du auf Käuferseite Verbraucher bist. Lass dir die Provisionsregelung in jedem Fall vor dem Notartermin schriftlich geben.

Was bedeutet das für dich konkret?

Wir rechnen dir dein persönliches, unverbindliches Szenario durch. Ehrlich und kostenlos.

Hinweis: Dieser Beitrag erklärt allgemeine steuerliche Mechanismen und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Finanzierungsberatung. Steuerliche Wirkungen hängen von deiner persönlichen Situation ab und sind durch einen Steuerberater zu prüfen. Angaben nach bestem Wissen, Stand 2026, ohne Gewähr. Immobilien-Investments unterliegen Markt- und Finanzierungsrisiken. Sachgrund Immobilien GmbH ist als Immobilienvermittler nach § 34c GewO tätig und erbringt keine Steuerberatung.